Ein turbulentes Wochenende am Slovakiaring

Bericht vom Slovakia Ring, dem ersten FIM. Alpe Adria Roadracing Championship Event 2016

Schon einige Tage vor Beginn des ersten Rennwochenendes 2016 checkte ich nervös fast stündlich den Wetterbericht. Hoffentlich wird es kein „Regenchaos-Wochenende“, war meine Befürchtung. Nur zu gut hatte ich noch den Highsider vom RedBull-Ring und das desaströse Regenrennen in Rijeka vom letzten Jahr im Kopf. Außerdem hatte ich Sorge, mein Sportgerät beim ersten Saisonrennen zu zerstören.

Befürchtungen eingetroffen

Leider trafen meine Befürchtungen voll und ganz zu. Zusätzlich schade für mich, da ich dieses Jahr schon zweimal am Slovakiaring trainieren konnte, dort das Wetter aber immer recht schön und trocken war. Dass der Saison-Einstand bei Regenwetter für mich wegen der geringen Regen-Erfahrung sehr schwierig von statten gehen würde, war nun Gewissheit.

Trotz der heftigen Regenfälle bei der Anreise am Donnerstag, konnte ich die ersten zwei Trainingsläufe am Freitag bei trockenen Streckenbedingungen fahren. Jedoch schon zu Mittag begann es so stark zu schütten, dass die Strecke immer wieder kurzfristig gesperrt wurde. An manchen Streckenabschnitten stand einfach zu viel Wasser auf der Piste. Das Risiko von Aquaplaning war zu groß. Für mich war es dennoch wichtig, vor dem Qualifying am Samstagvormittag möglichst viele Runden im Nassen zu drehen, um zu erkennen, ob das Fahrwerk meiner BMW S1000RR im Regen einigermaßen fahrbar ist. Weil meistens passt das eher harte Trocken-Setup nicht für nasse Streckenbedingungen, wo eher weicher abgestimmte Federelemente von Vorteil sind. So konnte ich noch vor dem Qualifying Anpassungen vornehmen.

Qualifying bei Dauerregen

Bei miserablem Wetter, bei Regen, Wind und klatschnasser Fahrbahn, musste ich am Samstagvormittag im Quali mit Regenreifen auf Zeitenjagd gehen. Bei solchen äußeren Bedingungen ist ein guter Startplatz noch wichtiger! Für mich war es ein sehr ungutes Gefühl, in so kurzer Zeit zu versuchen, sich ans Limit heran zu tasten, ohne es zu überschreiten. Im Regen ist der Grenzbereich zwischen „sich schnell am Limit zu bewegen“ und „abzufliegen“ sehr, sehr klein. Diese Erfahrung haben zu ihrem Leidwesen einige Kollegen machen müssen.

Wo man im Trockenen auf Slicks die Haftgrenze für Vorder- und Hinterrad noch etwas besser spürt, merkt man es auf nasser Fahrbahn meistens erst wenn es schon zu spät ist. Somit braucht man im Regen schon einige Erfahrung, um sich bei solch tückischen Verhältnissen mit den schnellsten Piloten Europas zu messen.

Ich versuchte mich in dem 25-minütigen Qualifiying von Runde zu Runde zu steigern, von Kurve zu Kurve ein bisschen mehr Schräglage zu fahren. Ich versuchte, in das Motorrad hinein zu hören, ganz fein zu fühlen, wie es sich bewegt und wie es reagiert, wenn ich weiter in die Kurve hinein bremste oder in Schräglage schon früher ans Gas ging. Und ich muss sagen: ohne der sehr guten Traktionskontrolle der BMW S1000RR hätte ich einige Male das immer frühere Gasaufziehen mit einem ordentlichen Highsider bezahlt. Zweimal rettete mich die Elektronik (für mein Gefühl) im letzten Moment. Es waren gerade noch die Hände am Lenker, jedoch Füße und Hinterteil schon in der Luft. Ohne diese Elektronik hätte sich das Motorrad sicher nicht mehr abgefangen.

Nach diesen Schreckmomenten und anderen Anzeichen, die mir das Gefühl gaben, bei weiterem „Pushen“ durch einen Sturz mein Qualifying zu beenden, gab ich mich mit dem 17. Startplatz zufrieden. Es war wie verhext, gleichzeitig mit Beenden des Qualifyings stoppte auch der Regen.

Das Samstagrennen, ein Wetterfiasko

Da es bis zum Nachmittag trocken blieb und der Asphalt langsam auftrocknete, entschloss ich mich, so wie die anderen Fahrer auch, sehr erfreut das Samstagsrennen auf Slicks zu starten.

Doch wie in einem schlechten Film, begann es genau, als ich mit den Trockenreifen in die Startaufstellung rollte, wieder zu nieseln. Es war für Regenreifen noch zu trocken, für Slicks jedoch fast schon zu nass. Wie im August 2015, bei einem Amateurrennen am RedBull-Ring. Dort wurden mir genau solche tückischen Wetterbedingungen zum Verhängnis. Es hatte auch leicht zu regnen begonnen, der Asphalt war aber noch nicht ganz nass. Also fuhr ich weiter. Ich lenkte in eine Kurve ein, hinter der es schon sehr nass war. Das Bike rutschte beim Einlenken weg, fing sich und mich schleuderte es im hohen Bogen per Highsider über das Bike!

 Zurück zum Slovakiaring: Als das Rennen gestartet wurde, war der hintere Streckenabschnitt schon so nass, dass wir mit Slicks wie auf rohen Eiern die Kurve nur noch fast ohne Schräglage fahren konnten. Zum Glück wurde das Rennen wegen dieser Umstände abgebrochen und ein Neustart nach 10 Minuten angesetzt. Somit hatten wir kurze Zeit, um auf Regenreifen zu wechseln. Ich hatte Gott sei Dank noch die gebrauchten Regenreifen vom Qualifying auf meinem zweiten Felgensatz. Somit mussten wir nur die Räder umstecken.

Genau richtig zum Neustart war meine BMW mit den gebrauchten Regenreifen bestückt und ich fuhr damit rechtzeitig in die Startaufstellung. Doch schon zu Beginn der Outlap hörte der Regen auf und die Strecke begann wieder aufzutrocknen. Ich kam mir vor, wie wenn mich jemand verarschen wollte…. Einige Fahrer ließen noch in der erneuten Startaufstellung - zum Teil mit Zeitüberschreitung - wieder auf Slick-Reifen ummontieren. Diese kassierten dafür zwar eine Durchfahrtsstrafe durch die Boxengasse, konnten dafür aber weit besser mit der wieder fast gänzlich trockenen Strecke zurechtkommen.

Schon in der ersten Runde nach dem Start wurde mir klar, dass Regenreifen die absolut falsche Entscheidung für die durch den starken Wind extrem schnell aufgetrocknete Strecke waren. Doch da musste ich jetzt durch und irgendwie so schnell wie möglich ohne zu stürzen das Ziel erreichen. Regenreifen sind aus extrem weichem Gummi, der durch das kühle Wasser auf der Strecke maximal lauwarm wird, aber in diesem Temperaturbereich gut funktioniert. Fährt man so einen Reifen bei trockenem Asphalt, überhitzt er sofort und ist innerhalb von wenigen Runden total zerstört.

Genauso ist es leider bei mir gewesen (siehe Bilder). Die Reifen rutschten dadurch so stark, dass ich froh sein musste, irgendwie ohne Sturz ins Ziel zu kommen. Es fühlte sich fast so an, wie mit einem Auto mit Sommerreifen auf Schneefahrbahn.

Ich rettete mich und das Motorrad noch auf der 15. Position über die Ziellinie. – Das war nicht so, wie ich mir mein erstes Meisterschaftsrennen erhofft hatte.

Das Rennen am Sonntag, Frustbewältigung pur

Seit 2016 gibt es für das Sonntagsrennen kein eigenes Qualifying mehr. Es zählt stattdessen die jeweils schnellste Rennrunde vom Samstagsrennen für die Startaufstellung für das Rennen am Sonntag. Nach dem verpatzten Samstagsrennen bedeutete das für mich leider den 17. Startplatz von 24 Startern.

Mit einer riesen Wut im Bauch, wegen meiner verpatzten Reifenwahl von Samstag und dem festen Willen, meinen Fehler beim Sonntagsrennen wieder auszumerzen, stimmte die Motivation auf alle Fälle. Das Wetter war trocken, jedoch ziemlich windig und kalt.

Von Position 17 startend war es extrem wichtig, den Start gut zu erwischen und nicht nochmals Plätze zu verschenken. Dies gelang mir diesmal besser als am Samstag, und ich war nach der ersten Runde schon auf Platz 14. Ich versuchte hart zu pushen und mich nach vorne zu kämpfen. Durch den vielen Regen über das ganze Wochenende war der Grip ziemlich schlecht. Beim Beschleunigen rutschte mir immer wieder das Hinterrad weg und ich kämpfte mit aller Kraft, um das Motorrad auf der anvisierten Linie zu halten und weiter auf den Vordermann aufzuschließen. Auch beim harten in die Kurve Bremsen rutschte das Motorrad immer wieder über den Vorderreifen und ich konnte die angepeilte Linie nicht ganz halten. Trotzdem holte ich mir einen Gegner nach dem anderen. Nach jedem gelungenen Überholmanöver kämpfte ich weiter und dachte mir, den da vorne hol ich mir auch noch. Nach dieser Aufholjagd konnte ich mich um 11 Plätze nach vorne kämpfen und beendete das Rennen 1,2 Sekunden hinter dem Fünften auf Platz sechs.

Zufrieden, aber nicht happy

Ein frustrierender 15. Rang am Samstag, ein Topergebnis am Sonntag, ergeben den geteilten 10. Platz in  der Gesamtwertung. Besser als letztes Jahr in die Saison gestartet, aber doch nicht ganz das, was ich mir aufgrund meiner Trainingsform für den Slovakiaring erwartet habe.

Somit blicke ich schon voll motiviert auf das nächste FIM. Alpe Adria Roadracing Championship-Event am Pannoniaring. (3.-5.Juni 2016)

 

Ein großes Dankeschön noch an meine Helfer und alle die mich am Slovakiaring besucht und unterstützt haben. Und natürlich an all meine Sponsoren, ohne die das alles für mich nicht zu bewältigen wäre. DANKE!!!!