Finale der FIM European Alpe Adria Championship

(11.-13.9.2015, Slovakiaring)

Die Gefühle bei der Anreise mit einem Freund / Helfer  (Aro „Ara“ Muradjan) am Mittwochabend zum letzten Rennwochenende der Alpe Adria Meisterschaft am Slovakiaring bei Bratislava waren sehr gemischt. Auf der einen Seite war ich überaus motiviert und freute mich sehr auf die letzten beiden Läufe meiner ersten (leider nicht ganz vollständigen) Alpe Adria Saison.  Auf der anderen Seite gab es doch einiges, was mir Kopfzerbrechen bereitete.

Motiviert aber durch Probleme gebremst

Zum Beispiel hatte ich meine "gute" Airbag-Lederkombi nach über einem Monat noch immer nicht von der Reparatur aus Italien zurückbekommen. Somit musste ich mit meiner alten, sicherheitstechnisch nicht unbedenklichen Lederkombi ohne schützendes Airbag-System an den Start gehen. Daher war mein oberstes Ziel "unter keinen Umständen stürzen!".  Allerdings, sich in einer derartig schnellen Meisterschaft zu behaupten und dabei kein Risiko einzugehen, ist praktisch unmöglich.

Zusätzlich hatte ich die letzten Male auf dieser Rennstrecke immer Probleme mit dem Fahrwerk, fühlte mich nicht wohl und kam nicht auf die erwünschten, zufriedenstellenden Rundenzeiten.

Somit stand für die Trainingssessions am Donnerstag und Freitag einiges am Plan. Spätestens am Samstag beim ersten Qualifying musste ich mit meiner BMW S 1000RR so weit sein, um konkurrenzfähige Rundenzeiten einzufahren.

Dazu hatte ich mir folgendes vorgenommen:

1. Eine schnelle Linie durch die vielen, sehr unterschiedlichen Kurven finden. Dabei musste ich ausprobieren, welche Kurven ich besser im klassischen "runden" U-Stil fahren sollte und welche schneller im "aggressiven" V-Stil zu bewältigen sind.

2. Herantasten an die Bremspunkte, die man auf dieser extrem schnellen Rennstrecke, auf der man bei manchen Geraden bis zu 300km/h erreicht, besser nicht verfehlen sollte.

3. Meinen Kopf an die teilweise enorm hohen Kurvengeschwindigkeiten gewöhnen - Kurve zwei wird im 5.Gang mit ca. 200km/h in voller Schräglage gefahren - um mir die Angst vorm Stürzen zu nehmen.

4. Mein Fahrwerk und die Geometrie meiner BMW auf die Eigenheiten dieser Strecke einstellen.  Ab einem gewissen Tempo, begann mein Vorderrad in den schnellen Kurven in Schräglage leicht zu hüpfen bzw. zu vibrieren. Dabei schob es mich ungewollt nach außen und es fühlte sich an, als würde das Vorderrad jeden Moment wegrutschen.  So konnte ich mein Ziel, ein "gutes Ergebnis UND nicht stürzen" unmöglich erreichen.

Um dieses volle Programm so gut als möglich zu bewältigen, nahm mir mein Freund Ara sehr viel Arbeit beim Herumschrauben ab. Darüber hinaus war  er mir auch mental eine starke Stütze.

 

Zu all den Misslichkeiten kam die  alles andere als optimale Wetterlage am Donnerstag und Freitag. Es nieselte immer wieder für kurze Zeit, der Wind trocknete die Strecke aber wieder recht schnell auf. Die Luft- und Asphalttemperatur war sehr kalt, weswegen am Freitag mindestens 20 Fahrer wegen ausgekühlter Reifen stürzten.

Rechtzeitig zum Qualifying am Samstagvormittag besserte sich das Wetter. Das machte es leichter, auf Zeitenjagd für die Startaufstellung zu gehen. Auch das Fahrwerk hatten wir mittlerweile einigermaßen gut hin bekommen, nachdem wir mehr als die halbe Nacht daran geschraubt hatten.

Im Qualifying reichte es trotz der nächtlichen Umbauarbeiten nur für Platz 10 in der Startaufstellung. Unter den gegebenen Umständen war ich aber nicht unzufrieden.

Zusätzlich motiviert wurde ich von extra aus Graz und Wien angereisten Freunden, die mich lautstark und tatkräftig unterstützt haben.

Das Samstagrennen

Im Samstagsrennen erwischte ich einen guten Start und versuchte gleich vor der ersten Kurve (Rechtskurve) ein paar Fahrer links außen zu überholen. Dabei ließ sich ein Konkurrent neben mir aber so weit nach links hinaustragen, dass ich bremsen musste, um nicht mit ihm zu kollidieren oder in die Wiese gedrängt zu werden. Dieses Manöver kostete mich einige Plätze. So fand ich mich auf Position 15 wieder. Mühsam kämpfte ich mich Runde für Runde an einem Gegner nach dem anderen vorbei. Am Hinterrad des Achtplatzierten hängend, passierte ich die Ziellinie auf dem 9. Platz.

Obwohl mir die haarige Situation in der ersten Kurve ein wahrscheinlich besseres Ergebnis vermasselt hat, war es für mich ob der vielen Überholmanöver ein sehr adrenalingeladenes und packendes Rennen mit hohem Spaßfaktor.

Am Abend gab es eine berührende Aktion zum Gedenken an  die tragisch verunfallten bzw. verstorbenen Kollegen Berto Camlek und Sandro Bitter. Über hundert Rennfahrer bildeten einen Konvoi und umrundeten so in der Abenddämmerung den Slovakiaring. Bei Start und Ziel angekommen, erinnerte eine bewegende Diaschau an die Verstorbenen.

Pech am Sonntag

Am Sonntag startete das Qualifying leider  schon sehr früh, um ca. 9:00 Uhr. Ich fühlte in mir ein mulmiges Gefühl wegen der noch relativ kühlen Temperaturen und traute mich nicht voll zu pushen. Die vielen am Freitag wegen zu geringer Reifentemperatur gestürzten Fahrer geisterten noch in meinem Kopf herum. Trotz der um 7 Tausendstel schnelleren Zeit als Samstag, reichte es nur für den 11. Startplatz.

Beim Start verfiel ich wieder meinem alten Leiden, Start versemmelt! Drei, vier Konkurrenten  starteten schneller, somit beendete ich die erste Runde wieder nur auf Platz 15.

Abermals hing ich hinter eigentlich langsameren Fahrern fest und versuchte mich wie am Vortag wieder nach vorne zu kämpfen.

Doch irgendwie tat ich mir diesmal schwerer in den Kurven nach innen zu ziehen, das Vorderrad fühlte sich sehr eigenartig an. Nach dem Rennen stellte sich heraus, dass wir einen Fehler beim Reifenluftdruck gemacht hatten, zu wenig Luft im Reifen!

Trotzdem versuchte ich mich so gut es ging weiter nach vorne zu arbeiten.  Gegen Mitte des Rennens stürzte mein Vordermann direkt vor mir per Highsider in einer Rechtskurve. Ich konnte Gott sei Dank ohne größere Probleme ausweichen.

In den letzten 3-4 Runden „benahm“ sich mein Motorrad sehr eigenartig. Es ruckte teilweise beim Beschleunigen, beim Herunterschalten spießten sich die Gänge heftig. Doch bevor ich merkte, was wirklich los war, war das Rennen für mich vorbei. Technisches Ko! Ich beschleunigte in der letzten Runde mit Vollgas aus der ersten Rechtskurve heraus und als ich vom dritten in den vierten Gang schaltete, war schlagartig der Vortrieb weg. Der Motor drehte voll in den Begrenzer und es warf mich fast nach vorne über den Lenker.  Die Antriebskette war gerissen, hatte sich einmal herum gedreht, fast den Motorblock durchlöchert, das Ritzel beschädigt und ist zu guter Letzt nach hinten hinausgeschossen. Glücklicherweise war kein Fahrer hinter mir. Ich möchte nicht daran denken, was da passiert wäre, wenn ein Nachkommender getroffen worden wäre.

Das war`s also mit dem letzten Rennen der Alpe Adria im Jahr 2015, null Punkte, technischer Defekt und das in der letzten Runde, Platz 7 oder 8 vor Augen.

Im ersten Moment konnte ich mein Pech nicht fassen, doch dann war ich wirklich froh, dass ich niemanden verletzt hatte und auch selber unbeschadet, nur mit einem ordentlichen Schrecken, davongekommen war. 

9. Platz in der Gesamtwertung

Unter über 30 Teilnehmern den 9. Platz in der Gesamtwertung erreicht, damit habe ich das Saisonziel, ein Platz zwischen Rang 10 und 20  sogar übertroffen. Hätte ich bei allen Läufen starten können – vier musste ich aus unterschiedlichen Gründen auslassen -  wäre sogar noch mehr möglich gewesen.

Diese Rennsaison hatte viele Höhen und Tiefen. Der Rennsport hat seine tragischen, aber auch die vielen wunderbaren Seiten gezeigt.  Alles in allem habe ich viel gelernt, viele nette interessante Leute kennengelernt und auch neue Sponsoren gefunden, die mich hoffentlich auch wieder 2016 unterstützen werden. Nach der Saison ist ja bekanntlich vor der Saison....

Der Dank gilt all den helfenden Händen, tippgebenden Kollegen und Technikern und ganz besonders meiner Familie und Freunden.

Last but not least möchte ich mich nochmals bei meinen Sponsoren bedanken, ohne deren Unterstützung diese Saison für mich nicht möglich gewesen wäre. Das sind: Winter Versicherungsmakler, Euromotors Graz, Kledo Reisemobile Graz, Carisma, 2-Rad Kemmer, WiTri GmbH, Remus Sportauspuff, Sportnahrung.at, Druckerei Rettenbacher Schladming und BMW Austria.

(Videos und Fotos vom Event am Slovakiaring folgen in den nächsten Tagen)