FIM European Alpe Adria Roadracing Championship, Pannoniaring 2016

 

 

 

Einige Tage vor dem „Alpe-Wochenende“ am ungarischen Pannoniaring, blickte ich noch nicht wirklich zuversichtlich auf mein zweites Meisterschaftswochenende 2016.

 

Wettertechnisch sah es sehr unbeständig aus. Und das für das ganze Wochenende. Ich hoffte, nicht nochmals so einen wetterbedingt chaotischen Reifenpoker durchmachen zu müssen, wie am Slovakiaring.

 

Das Zweite, das mir Sorgen bereitete, war meine Fitness. Eineinhalb Wochen vor Beginn dieses Meisterschaftswochenendes wurden mir zwei Weisheitszähne entfernt und ich lag danach eine Woche - vollgepumpt mit Schmerzmittel - nur im Bett herum. An Motorradfahren oder Fitnesstraining war nicht zu denken. Mein Arzt empfahl mir, mindestens zwei Wochen keinen Sport zu betreiben. Doch dann würde ich ein wichtiges Rennwochenende verpassen.

 

Ich meldete mich vorzeitig selbst gesund, doch bei der Arbeit wurde mir bald klar, dass eine Woche nur im Bett zu liegen, fast nichts essen zu können, keine gute Vorbereitung für ein hartes Rennwochenende war. Ich hatte in so kurzer Zeit viel Kraft verloren und noch immer kleinere Probleme mit dem Kreislauf. Ich fühlte mich wirklich nicht ganz fit.

 

Somit keine guten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Rennwochenende auf dem technisch sehr anspruchsvollen und körperlich sehr anstrengenden Pannoniaring.

 

Schmerzhaftes, aber erfolgreiches Training

 

Bei den ersten Freitagstrainings zeigte sich, dass ich zwar relativ gute Rundenzeiten fahren konnte, dieses Tempo aber nur wenige Runden durchhielt.  Ich spürte jeden Muskel brennen. Vor allem die Oberschenkel und Arme machten mir Probleme. Wie sollte ich da 14 Rennrunden voll pushen können?

 

Doch wenigstens war ich vom Kopf her für die schnellen Runden bereit.

 

Samstagvormittag beim Qualifying spielte das Wetter, trotz schlechten Wetterberichtes, Gott sei Dank noch immer mit.

 

Ich war top motiviert, endlich meine persönliche Bestzeit von 1:58,167 am Pannoniaring aus dem Jahr 2014 zu unterbieten.

 

Leider stürzte im Qualifying der Klasse, die vor mir dran war, ein Fahrer an einer Schlüsselstelle der Rennstrecke und zog eine Ölspur quer über die Fahrbahn. Genau vor einer Kuppe, an der man in voller Schräglage aus einer Linkskurve auf eine längere Gerade hinausbeschleunigt. Sollte man hier wegen dem Öl und des Bindemittels nicht voll drüber beschleunigen können, würde man sicher einige Zehntelsekunden einbüßen. – Doch gleiche Voraussetzungen für alle Fahrer!

 

In meiner zweiten fliegenden Runde, noch mit gebrauchten Reifen, versuchte ich fast voll über diese Verunreinigungen drüber zu beschleunigen. Mein Hinterrad brach schlagartig bei knapp 200km/h aus und meine BMW schlingerte wie wild über die darauffolgende Kuppe. Ich konnte einen Highspeedcrash gerade noch verhindern. Nach dieser Schrecksekunde entschloss ich mich, die Runde abzubrechen und in die Box zu fahren, um einen neuen Hinterreifen zu montieren und damit Grip für eine schnelle Qualirunde zu haben. „Bewaffnet“ mit dem neuen superweichen Dunlop Rennreifen machte ich mich erneut auf zu einer guten Startposition für das Samstagsrennen.

 

Schon in der zweiten Runde zeigte mir mein Laptimer eine Rundenzeit von 1.57,92 an. Endlich persönliche Bestzeit verbessert! In der nächsten Runde versuchte ich nochmals zu pushen und nachzulegen, doch gleich in der zweiten Runde verbremste ich mich, da mir die Kraft fehlte, das Motorrad noch um die Kurve zu drücken. Ich ließ es damit also gut sein, um nicht einen Crash zu riskieren.

 

Mit dieser Rundenzeit sicherte ich mir den 5. Startplatz.

 

Das Samstag-Rennen

 

Nach meinen in letzter Zeit immer schlechter werdenden Starts, versuchte ich beim Rennstart alles richtig zu machen, kam aber leider schon wieder nicht gut genug weg. Nach der ersten Runde fand ich mich auf Position 8 oder 9 wieder.

 

Da gleich in Kurve 4 einer der Top-Fahrer mit einem anderen Piloten kollidiert und gestürzt war und der andere in das Kiesbett ausweichen musste, wollte ich diese Chance nutzen und mich so weit wie möglich nach vorne kämpfen.

 

Schon in der nächsten Runde holte ich mir zwei Plätze zurück. Eine Gruppe von 3 Fahrern, war schon einige Kurven vor mir und ich saugte mich von Runde zu Runde weiter an sie ran. Bei dieser Aufholjagt schwanden meine Kräfte. Ich war körperlich fast am Limit. Doch als mir klar wurde, wenn ich dieses Dreierpack überholen könnte, mir dann ein unmöglich erschienener Podiumsplatz winken würde,  versuchte ich alle irgendwie möglichen Kräfte zu mobilisieren.

 

Kurz vor Schluss des Rennens hatte ich das für mich Undenkbare geschafft und ich befand mich auf Platz 3. Doch der gleich am Anfang des Rennens ins Kiesbett ausgewichene Top-Pilot hatte sich wieder an mich heran gekämpft und startete in der Letzten Runde, 3 Kurven vor dem Zielstrich, noch einen Angriff auf mich. Er ging in einer Linkskurve innen an mir vorbei, konnte die Linie jedoch nicht halten und ich konnte ihn wieder zurück überholen. Ich gab noch ein letztes Mal alles und konnte mich noch vor diesem Fahrer über das Ziel retten. PLATZ 3!!!! Mein erstes Podium in dieser internationalen Profi-Meisterschaft. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Wenn mir kurz vor diesem Wochenende jemand gesagt hätte, dass ich in diesem noch nicht richtig fitten Zustand mein erstes Podium einfahren würde, hätte ich ihn für verrückt erklärt.

 

Kupplungsprobleme am Sonntag

 

Im Warmup am Sonntagmorgen versuchte ich drei Starts, um nicht wieder gleich zu Beginn nach hinten durchgereicht zu werden.

 

Bei diesen Startversuchen wurde mir auf einmal klar, warum ich von Rennen zu Rennen immer schlechter startete. Die Reibscheiben meiner Kupplung waren nach über 9000 Kilometern, die meisten auf der Rennstrecke, am Ende. Sie ließ sich nicht mehr dosieren, da sie keinen richtigen Schleifpunkt mehr hatte. Entweder bewegte sich das Motorrad fast nicht nach vorne oder hatte auf einmal einen vollen Kraftschub und es überschlug mich fast nach hinten. Wie sollte ich unter diesen Umständen einen halbwegs guten Start hinlegen?

 

Meine Befürchtungen trafen leider ein. Von Position 5 startend, hüpfte mir das Vorderrad dreimal kurz hintereinander in die Höhe und ich konnte nur als 16. von 29 Startern In die erste Kurve  einbiegen. Ein derart gutes Ergebnis wie am Vortag war also ausgeschlossen.

 

Ich versuchte trotzdem alles, um mich so weit wie möglich nach vorne zurück zu kämpfen und noch möglichst viele Punkte für die Meisterschaftswertung zu holen. Bei diesem actionreichen und sehr kraftraubenden Kampf und mit den Nachwirkungen vom Vortag merkte ich im letzten Renndrittel, dass mir die Kraft fehlte, um noch weiter zu pushen. Ich konnte noch den 7. Platzierten Fahrer überholen, verbremste mich aber wenige Kurven danach, da ich den extremen Beschleunigungskräften beim späten Bremsen nicht mehr ganz gewachsen war. Ich konnte diesen Fahrer jedoch nochmals zurück überholen und finishte auf dem 7. Platz. 97 tausendstel Sekunden nach dem Sechsten.

 

Etwas enttäuscht, dass das zweite Rennen so schlecht begonnen hatte, jedoch froh, dass ich trotzdem noch eine ziemlich gute Platzierung erreichen konnte und das Wochenende gut überstanden hatte, konnte ich mit meinem ersten AlpeAdria Pokal und 25 neuen Meisterschaftspunkten (16+9) die Heimreise antreten.

 

Ich bin froh, dass ich jetzt endlich weiß, dass ich es nicht verlernt habe mit einem Motorrad einen Rennstart hinzulegen und bin zuversichtlich, dass es beim nächsten AlpeAdria Meisterschaftswochenende in Rijeka, in zwei Wochen, mit einer servicierten Kupplung beim Start sicher besser funktionieren wird.

 

 

 

Vielen Dank an meine Sponsoren! Vielleicht finden sich ja noch weitere, die bereit sind, mich ein bisschen zu unterstützen.

 

Vielen Dank auch an meine Familie und Freunde, die mich an diesem Wochenende wieder tatkräftig unterstützt haben.

 

Ein Rennfahrer kann ohne effiziente Unterstützung und ein gutes Umfeld nicht erfolgreich sein.