FIM European Alpe Adria Championship Hungaroring 7.-9.8.2015

Erst desaströs, dann erfolgreich!

Das sehr durchwachsene Rennwochenende am Hungaroring war alles andere als einfach. So problematisch es begonnen hat, so erfolgreich ist es letztlich für mich gelaufen. Leider war es auch von einer Serie tragischer Unfälle begleitet, in denen ich Gott sei Dank nicht involviert war.

Da ich erst einmal (Sommer 2013) auf der ungarischen Formel 1 Rennstrecke (die ca. 20 Kilometer östlich von Budapest liegt) gefahren bin,  reiste ich schon Mittwochabend an, um den Donnerstag als zusätzlichen Trainingstag nützen zu können.

Endlich nach 4 ½ stündiger Anreise, erreichte ich um ca. 22Uhr die Rennstrecke.  Ich staunte nicht schlecht, als mir der Portier die Einfahrt ins Fahrerlager verweigerte. Üblicherweise ist die Einfahrt ins Fahrerlager ab ca. 18Uhr am Vortag der Veranstaltung kein Problem. So kann man am Vorabend in aller Ruhe den Transporter ausladen und alles nötige für die Veranstaltung vorbereiten.

Somit musste ich, wie einige andere Fahrer und Teams,  die auch schon am Mittwoch angereist waren, am unbewachten Parkplatz neben der Straße campieren, bis wir Donnerstagfrüh endlich ins Fahrerlager durften.

Der erste Schock!

Der nächste Schock folgte, als ich mich für das freie Training am Donnerstag anmelden wollte.

Man sagte mir, dass der Donnerstag bereits ausgebucht sei und ich nur mit viel Glück am Nachmittag ein paar Runden fahren könne, wenn inzwischen etwas frei werden sollte.

Zum Glück konnte ich am Nachmittag dann doch noch ca. 10 Runden fahren. In diesen paar Runden ist mir klar geworden, dass dieses Wochenende schwieriger werden würde, als zuvor angenommen. Ich hatte den Hungaroring nicht mehr so verwinkelt, eng und mit so vielen Bodenwellen versehen in Erinnerung. Anhand dieser paar Runden konnte ich mir nicht vorstellen, wie ich mir bis zum Beginn des Qualifyings am Samstagvormittag brauchbare Rundenzeiten auf AlpeAdria-Niveau  erarbeiten sollte.  Nach den paar Donnerstagrunden blieben mir am Freitag nur vier 20 Minuten-Turns, um eine schnelle Linie in diesem Kurven- und Bodenwellen-Wirrwarr zu finden.

Ein Training zum Vergessen

Die Trainingssessions am Freitag waren spiegelbildlich zu dem bisherigen Verlauf des Rennwochenendes, nur miserabel. Ich konnte mich einfach nicht richtig an die Rennstrecke anpassen. Mir fehlte eine flüssige Linie, um schnell durch die Kurven zu kommen, meine Bremspunkte waren zu weit weg von dort, wo sie eigentlich hin gehörten. Ich fuhr wirklich mies und wurde langsam nervös. Dabei fühlte es sich für mich sehr schnell an. Meine Rundenzeiten waren aber viel zu langsam. Ich versuchte zu pushen und schneller zu fahren, doch dadurch wurden meine Rundenzeiten nur noch langsamer. Ich fuhr so verkrampft, dass ich die angepeilte Linie noch mehr verfehlte.

 

In der Nacht auf Samstag schlief ich schlecht und ging die Runden im Geiste mehrmals durch. Es muss eine andere Strategie her, sonst würde das ein Wochenende zum Vergessen werden.

Der neue Plan:

Nicht mehr mit Gewalt pushen, sondern erst eine exakte Linie fahren und dann den Speed langsam steigern.

Und siehe da- ich wurde von Runde zu Runde schneller, kam in einen guten Fluss und fühlte mich wieder wohl auf meiner BMW.  Mit der Lockerheit kamen die guten Zeiten und am Ende des Qualifyings fand ich mich am 5. Startplatz wieder.

Das Samstagrennen – es geht doch!

Das Samstag-Rennen startete ich, wie das Wochenende, schlecht! In den ersten Runden verlor ich  gleich den Anschluss zum Vordermann. Ein Fahrer war in einer Linkskurve gestürzt und die Streckenposten schwenkten die rot-gelb gestreifte Flagge  (Öl oder Schmutz auf der Fahrbahn). Im Nachhinein gesehen, nahm ich in dieser Passage zu viel Tempo heraus. Die Angst, auf dem ausgelaufenen Öl auszurutschen und zu stürzen, bremste mich. Erst gegen Mitte des Rennens, als die Kurve wieder frei war, spulte ich Rundenzeiten ab, wie ich sie mir vorgenommen hatte. 1:55er, 1:56er-Zeiten gelangen ohne Probleme.  Gegen Ende des Rennens musste ich so wie die anderen Fahrer auch, der 40 Grad Lufttemperatur Tribut zahlen. Auch die gemessenen 58 Grad Asphalttemperatur trug zur Backofenhitze bei. Endlich, die Zielflagge – fünfter Platz! Meine bisher beste Platzierung in der Alpe Adria Rennserie. Damit habe ich nicht wirklich gerechnet, schon gar nicht nach dem freitäglichen Trainingsfiasko.

Totale Erschöpfung

Am Ende des Rennens, beim Abstellen meiner S 1000RR, wäre ich beinahe vor Erschöpfung samt dem Bike umgestürzt. Der enorme Flüssigkeitsverlust musste jetzt schnellstmöglich aufgefüllt werden. Dann startet schon die Vorbereitungen für das Qualifying und das Rennen am Sonntag.

Samstagabend habe ich noch kleine Änderungen an der Geometrie und dem Fahrwerk meiner BMW S1000RR vorgenommen. Dadurch erhoffte ich mir für Sonntag etwas mehr Bremsstabilität, um engere Linien fahren zu können.

Obwohl ich vor dem Qualifying keine Möglichkeit mehr hatte die neuen Einstellungen am Motorrad zu testen, kam ich von Beginn an super damit zurecht und konnte gleich eine 1:54,2 fahren – persönlicher Rekord!!

Meinen Startplatz konnte ich damit leider trotzdem nicht verbessern und startete wieder von der fünften Position.

Das Sonntagrennen – knapp am Sturz vorbei

Beim Start zum Rennen kam ich recht gut weg, jedoch musste ich beim Anbremsen zur ersten Kurve einem Fahrer, der sich etwas verbremst hatte, ausweichen. Sonst wäre wohl eine Kollision unvermeidbar gewesen. Diese Gelegenheit nützten zwei meiner Konkurrenten sofort aus und pressten sich haarscharf innen an mir vorbei. Einen der beiden konnte ich wenige Meter danach wieder überholen.

Am anderen hing ich einige Runden dran und gab alles, versuchte mich nahe genug heranzukämpfen, um auch ihn wieder zu überholen. Doch nach einigen Runden rutschte mir in einer Rechtskurve beim Bremsen in voller Schräglage, kurzzeitig das Vorderrad weg. Mit viel Glück konnte ich es noch abfangen und einen Sturz vermeiden. Nach dieser Schrecksekunde entschied ich mich aber dafür, das Rennen ohne übertriebenes Risiko fertig zu fahren und mich mit dem 6. Platz zufrieden zu geben. Dann hatte ich das Glück, dass in den letzten Runden ein vor mir platzierter Fahrer über das Vorderrad wegrutschte und zu Sturz kam. Somit wiederholte ich meinen fünften Platz vom Vortag. In Anbetracht meiner motorrad-technischen und finanziellen Möglichkeiten als Ein-Mann-Team ist das in dieser Liga derzeit das Maximum, was für mich erreichbar ist. Bei jeder noch besseren Platzierung müsste ich von einem Ausfall, eines vor mir positionierten Fahrers profitieren.

Obwohl ich körperlich und konzentrationsmäßig nach dem Rennen bei 40Grad auf dem ohnehin körperlich sehr anstrengendem Hungaroring total am Ende war, war ich sehr zufrieden und glücklich dass alles gut überstanden war. Zweimal Fünfter – das hätte ich mir nicht erwartet, schon gar nicht nach den anfänglichen Problemen. Damit habe ich auch in der Gesamtwertung meinen Top Ten-Platz

Tragische Unfälle

Das Wochenende war von einigen schweren Unfällen überschattet. Besonders tragisch war der Crash im Superbike Rennen. Ausgangs der erster Kurve nach dem Start hatte der Slowene Berto Camlek mitten im Startgetümmel einen Highsider und wurde von mehreren Motorrädern überrollt. Ein Massensturz war die Folge. Berto Camlek ist leider seinen schweren Verletzungen erlegen....so schön dieser Sport auch ist, er hat leider auch seine Schattenseiten.

Mir fehlen zu diesem tragischen Vorfall die Worte, ich wünsche seiner Familie, Freunden, Bekannten, und auch den Fahrern, die in den Unfall verwickelt waren viel Kraft.